Aufgabe 4.7. Klischees: Schweizer, die unbekannten Wesen
Aufgabe 4.7. Klischees: Schweizer, die unbekannten Wesen
Einige Fakten zum Nachbarn.
Der Schweizer an sich, raunt der Mythos, ist freiheitsliebend, verschlossen und ein bisschen langsam. Er wäscht das Geld von Drogenbossen, heißt Heidi oder Emil und fabriziert ausschließlich Schokolade und Uhren.
Politisch Interessierte erinnern sich beim Stichwort Schweiz meist nur vage an gescheiterte EU-Referenden, eine manische Leidenschaft für direkte Demokratie und einen seit Jahrzehnten einzementierten Proporz in der Regierung. Aber vielleicht sind das ja auch nur Klischees.
Sobald man tiefer gräbt, häufen sich scheinbare Widersprüche: Warum hat in einem so friedliebenden Staat jeder wehrtüchtige Mann eine Waffe im Kasten?
Warum drängen internationale Institutionen in ein Land, das seine Mitgliedschaft so gerne verweigert? Und wie funktioniert das mit den vier Sprachen und hunderten Ortsdialekten?
Die Schweiz. Schokolade, Uhren, die Banken, das Geld.
In der Sprachschule reden wir immer wieder über Stereotype, Vorurteile und Klischees. Ich beschreibe hier mal, was über die Schweiz und Schweizer gesagt wurde und was ich sonst aufgeschnappt habe. Erstmals zum Land, weiter unten zu den Menschen:Uhren. Natürlich kennt jeder die Armbanduhren. Den Amerikanern sind am Genfer Flughafen als erstes die vielen Uhrenwerbungen aufgefallen.
Geld. Wohlstand.
Mehrsprachigkeit. 3 bzw. 4 Sprachen auf so kleinem Raum! Und damit auch 3 verschiedene Kulturen.
Demokratie. In keinem Land haben die Bürger ein solch großes Mitspracherecht.
Konsens + Kompromiss. In der Schweiz will man es allen recht machen.
Neutralität. Die Schweiz als anerkanntes neutrales Land. Für US-Amerikaner und Franzosen ist es verständlicherweise unvorstellbar, neutral zu sein.
Europäische Union – nein danke. Es erstaunt, dass ganz Europa zur EU gehört, nur die kleine Schweiz im Herzen Europas will nicht beitreten.
Und früher oder später kommt man auch auf den unglaublichen Föderalismus zu sprechen, der gerade im zentralistischen Frankreich erstaunt.
Und wie sind sie denn, die Schweizer?
Pünktlich. Als neuangekommener Schweizer bist du immer zu früh in der Schule! Aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel seien hervorragend: Die Busabfahrtszeit gibt man nicht nur zum Spaß mit bspw. "19:03" an! Und die Schweizer besammelten sich alle pünktlich um 19:02, wohingegen man z.B. hier in Cannes oft einfach mal an die Bushaltestelle steht (aber nicht etwa, weil die Busse so regelmäßig fahren würden).
Diskret. Und kalt, reserviert, zurückhaltend, ruhig. In der Schweiz bleiben Fremde Fremde. Öffentliche Gefühlsausbrüche sind rar. Man drängt sich nicht ins Leben anderer.
Es soll mal ein Experiment gegeben hat, wo eine junge Frau alleine im Straßencafé saß. In Italien sei sie nach wenigen Minuten angesprochen worden, ähnlich in anderen Ländern. In der Schweiz wartete sie den ganzen Tag. Und unsere Lehrerin, die sich oft in der Schweiz aufhält, wunderte sich zu Beginn, warum sie auf der Straße absolut nicht beachtet wurde.
Da war ich dann doch ganz schön erleichtert, als die eine Amerikanerin erzählte, in Genf seien alle Leute total nett gewesen.
Quelle: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/388768/Klischees_Schweizer-die-unbekannten-Wesen
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