War die Sowjetunion für die deutsche Spaltung verantwortlich? 


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War die Sowjetunion für die deutsche Spaltung verantwortlich?

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NATO-Narrativ Nummer drei: Der Ostblock habe die deutsche Spaltung herbeigeführt und auf diese Weise "den Westen" leider gezwungen, sich mitten in Deutschland mit seinen Waffen aufzustellen.

Auf den letzten Kriegskonferenzen der "Großen Drei" in Teheran, Jalta und Potsdam herrschte Einigkeit, das Deutsche Reich in seiner militaristischen und imperialistischen Struktur zu zerschlagen. Ein erneutes demokratisches Deutschland sollte von unten her aufgebaut werden. Einstweilen sollte der paritätisch besetzte Alliierte Kontrollrat anstelle einer deutschen Regierung die großen Entscheidungen treffen. Territorial wurde Deutschland in vier Teile zerlegt - allerdings sollte das entmilitarisierte Gebiet von allen vier Alliierten gemeinsam regiert werden.

 

Potsdamer Konferenz. Vorne: Premierminister Clement Attlee, US-Präsident Harry S. Truman, Josef Stalin. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R86965 / CC-BY-SA 3.0

Der Konsens wurde jedoch auf der Londoner Sechsmächtekonferenz 1948 in aller Stille beerdigt. Denn die Sowjetunion und ihre neuen Satellitenstaaten waren von dieser Konferenz ausgeschlossen. Stattdessen stimmten sich hier die USA, Großbritannien, Frankreich sowie die Benelux-Staaten über den zukünftigen Status der drei westlichen Besatzungszonen ab. Als bei der Alliierten Kontrollratssitzung am 20. März 1948 der sowjetische Marschall Sokolowski von seinen westlichen Partnern gerne Genaueres über die Ergebnisse der Londoner Sechsmächtekonferenz erfahren wollte, schwiegen diese ihn ebenso vielsagend wie höhnisch an. Woraufhin Sokolowski und seine Mitarbeiter die Konferenz verließen und dort auch nie wieder gesehen wurden.

Sicher war den Sowjets nicht entgangen, dass sich derweil in den Westzonen entscheidende Dinge und unwiderrufliche Entwicklungen abspulten. Denn bereits seit dem September 1947 druckten und prägten die American Note Company in New York und das Bureau of Engraving and Printing in Washington D.C. die neue Währung exklusiv für die Westzonen. Gesamtumfang dieses Lebenselixiers: 5.7 Milliarden Deutsche Mark. Und das alles unter höchst konspirativen Umständen, sorgfältig konfektioniert für die Bedürfnisse der Westzonen.

Am 20. Juni 1948 regnete die neue Valuta in die Schürzen der westdeutschen Bürger. Die Sowjets stoppelten improvisatorisch eine eigene neue Notwährung zusammen, wobei teilweise alte Geldscheine einfach neu überdruckt wurden, unter dem Spott und Hohn der Öffentlichkeit. Richtig blamabel war sodann Väterchen Stalins Rache: Er ließ das unter alliiertem Kommando stehende Westberlin einsperren (Berlin-Blockade). Diese perspektivlose Verzweiflungstat trieb die Westberliner nunmehr komplett in das Lager der Amerikaner, die mit ihren Rosinenbombern auf der ganzen Linie punkten konnten.

Jetzt ging es für die Sowjets nur noch darum, eine Bewaffnung der neuen Bundesrepublik Deutschland zu verhindern oder zumindest solange wie es ging hinauszuzögern. So bot der gealterte Stalin im Jahre 1952 in seiner Deutschland-Note an, seine gerade im Gegenzug gegen die Bundesrepublik gegründete DDR zu opfern, wenn sich der Westen mit einem neutralen und militärfreien Gesamtdeutschland anfreunden würde. Stalins Nachfolger Chruschtschow und Malenko gingen 1954 sogar noch einen Schritt weiter. Sie boten an, in die NATO einzutreten!

Die Sowjets koppelten ihr Beitrittsangebot mit dem Vorschlag, die USA sollten sich in diesem Falle auf einen Beobachterstatus zurückziehen. Das ging nun gar nicht. Den Hausherrn vor die Tür schicken? Im Jahre 1955 war dann der Beitritt der Bundesrepublik in die NATO nicht mehr aufzuhalten. Erst zu diesem Zeitpunkt gab die UdSSR ihre Zurückhaltung auf und gründete ihrerseits den Warschauer Pakt, das Militärbündnis der Satellitenstaaten Moskaus.

Als nun allerdings im Jahre 1958 Chruschtschow mit seinem Berlin-Ultimatum keck die Westmächte aufforderte, ihre Truppen aus Westberlin abzuziehen, geschah das bislang Unvorstellbare: die Westmächte versuchten die Sowjets zu besänftigen. Denn 1957 demonstrierte der Sputnik-Schock, dass von nun an die Sowjets mit ihrer neuen Semjorka-Interkontinentalrakete R-7 Atombomben mitten in die USA transportieren konnten.

Entsprechend konziliant gestimmt trafen sich die Außenminister aller vier Siegermächte, also der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion zum ersten Mal seit langem, und zwar zur Genfer Konferenz 1959. Aus einer Position der Stärke heraus konnte der russisch-ukrainische Polterer Chruschtschow nach dem U2-Vorfall seinen Counterpart Eisenhower mehrmals öffentlich demütigen. Der Bau der Berliner Mauer wiederum legte für alle erkennbar den Finger in die Wunde der miserablen wirtschaftlichen Verfassung des Ostblocks.

1964 versuchte Chruschtschow dennoch ganz ungeniert, die Bundesrepublik aus dem NATO-Bündnis herauszulocken. Er schickte seinen Schwiegersohn Alexej Adschubej, seines Zeichens Chefredakteur der einflussreichen Zeitung Iswetija, zu den Spitzen der westdeutschen Wirtschaft und Politik. Sein Angebot ähnelte Gorbatschows Offerte zwanzig Jahre später: Preisgabe der DDR zugunsten einer nach Osten ausgeweiteten BRD, die ihre Bundeswehr behalten durfte. Sie sollte allerdings aus der NATO ausscheren und neutral werden. Im Gegenzug sollte die mächtige westdeutsche Industrie der Sowjetunion bei der Modernisierung ihrer Anlagen, besonders im Chemiesektor, tatkräftig unter die Arme greifen.

Die westdeutsche Presse berichtete damals ausführlich und durchaus wohlwollend über diese Abwerbung von der NATO durch den Sowjetherrscher <>. Jedoch bereits im Oktober 1964 sollte Chruschtschow gestürzt und durch die Doppelherrschaft von Kossygin und Breschnew ersetzt werden. Damit war diese Wiederauflage des Rapallo-Vertrages aus der Weimarer Republik, und damit auch die Wiedervereinigung Deutschlands, für lange Zeit vom Tisch.

Was lernen wir aus alledem? Die Behauptung, es sei die Sowjetunion gewesen, die die deutsche Teilung betrieben und damit die Remilitarisierung Deutschlands unvermeidlich gemacht habe, entbehrt jeder Grundlage. Zudem ist die NATO nicht als Reaktion auf eine Aggression der Sowjetunion entstanden. Die NATO ist kein Defensivbündnis. Die NATO ist selber unverkennbar ein Offensivbündnis. Dieser Faden zieht sich, immer weiter verstärkt, kontinuierlich in die Jetztzeit hinein. (Hermann Ploppa)

 



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